Digitalisierung von Einzeltieren

Zählen wir alle entomologischen Sammlungen an unserem Museum zusammen, so kommen wir auf etwa 15 Millionen Objekte. Jedes dieser einzelnen Objekte zu digitalisieren ist nicht umsetzbar und deswegen müssen wir uns auf besonders wichtige Objekte fokusieren. Die für die Forschung besonders wertvollen Objekte sind die sogenannten Typen. Die Typen sind jene Objekte, an denen neue Arten beschrieben werden und stellen deswegen eine unentbehrliche Grundlage für die taxonomische Forschung dar. Bei uns am Museum gibt es weit mehr als 100.000 Typusexemplare und auf diese konzentrieren wir uns bei der Digitalisierung von Einzelobjekten. Jedes Objekt wird aus mindestens zwei Blickwinkeln fotografiert, zusammen mit einem Maßstab und einer Farbtafel. Darüber hinaus bekommt jedes genadelte Insekt ein Etikett mit einem eindeutigen QR-Code, welches an der Nadel des Tiers befestigt wird. Der QR-Code besteht aus einer eindeutigen und permanenten URI, deren Aufbau immer identisch ist. Hier ein Beispiel: "http://coll.mfn-berlin.de/u/e1f994".


Beispiele digitalisierter Einzeltiere aus der Familie der Dickkopffalter (Hesperiidae). Fotos: MfN Berlin / Mélanie Turiault
Beispiele digitalisierter Einzeltiere aus der Familie der Dickkopffalter (Hesperiidae). Fotos: MfN Berlin / Mélanie Turiault

Da wir uns zuerst auf Typenexemplare konzentrieren, werden Insekten, die als Typus gekennzeichnet sind, für die Digitalisierung herausgesucht. Von jedem Insekt werden alle Etiketten von der Nadel genommen und neben dem Insekt plaziert. Hinzu kommt ein Maßstab und eine Farbchart. Damit jedes Insekt auf einem einheitlichen Hintergrund fotografiert wird, verwenden wir eine normierte Graukarte. Für die Beleuchtung nutzen wir zwei Varianten. Eine Lichtbox mit konstantem Dauerlicht und die zweite Variante besteht aus zwei Blitzgeräten in einer weißen Styroporbox. Je nach Objekt oder Objektgruppe können wir die Beleuchtung variieren, um das bestmögliche Ergebnis zu erhalten. Die generierten Bilder haben eine Größe von etwa 100 MB und mehr als 36 Megapixel.
Weitere Optimierungen sind geplant. So wird momentan an einer Station gearbeitet für besonders kleine Objekte, mit weniger als 5 mm Körperlänge. Gerade für sehr kleine Objekte wird der Zeitaufwand pro Objekt zunehmen, da sowohl für das Handling der Objekte als auch das Justierien der Digitalisierungsstation mehr Zeit benötigt wird. Hinzu kommt die Zeit, für ein mögliches Stacking. Hierzu werden mehrere Fotos in unterschiedlichem Abstand vom Objekt gemacht und über eine Software werden aus jedem Bild nur die scharfen Bereiche herausgenommen und zu einem einzigen Foto verrechnet. Diese Technik kann angewandt werden, wenn ein Objekt komplett tiefenscharf dargestellt werden soll.



Aufbau der Station zur Digitalisierung von Einzeltieren. Fotos: MfN Berlin / Bernhard Schurian